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Gut zu wissen über Gas

Rückblick: Szenarien zur Gasversorgung im Winter 2022/23

Im Herbst haben sich viele gefragt, wie wir durch den Winter kommen werden. Expert:innen des Klimaschutzministeriums, der Österreichischen Energieagentur und E-Control haben daher Szenarien zur Gasversorgungslage in der Heizsaison von Oktober 2022 bis März 2023 entworfen. Dabei wurden über 100 potentielle Einflussfaktoren berücksichtigt. Die den Szenarien zugrundeliegenden Daten stammen vom 11. Oktober 2022 und können in diesem Video nachgeschaut werden:

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Prognose der Gasversorgungslage in der Heizsaison 2022/23

(Stand: 11. Oktober 2022)

Zwei Drittel des österreichischen Jahresverbrauchs an Gas fallen in die so genannte Heizsaison zwischen Oktober und März. In dieser Zeit wird – neben der Nutzung von Gas in Industrie und Gewerbe –auch mit Gas geheizt, damit Fernwärme erzeugt und Strom produziert. Darum wird Gas üblicherweise zwischen April und Ende Oktober über Importe „eingespeichert“ und im Zeitraum zwischen November und Ende März wieder „ausgespeichert“, um den Gasverbrauch zu decken.

Die Einspeicherung von Gas ist heuer – trotz der hohen Preise und reduzierter Lieferungen durch Russland – sehr erfolgreich verlaufen. Österreichs hat sein Ziel, am 1. November 2022 einen Füllstand von 80 Prozent zu erreichen, bereits Anfang Oktober geschafft. Wir gehen also mit gut gefüllten Speichern in den Winter. Mit Mitte Oktober befinden sich 25 Terawattstunden (Gas von österreichischen Energielieferanten oder Unternehmen in unseren Speichern. Dazu zählen die Mengen für geschützte Kund:innen, die immunisierten Mengen für die Industrie und sonstige Mengen von österreichischen Speicherkunden. Dazu kommen 20 Terawattstunden durch die strategische Gasreserve im Eigentum der Republik Österreich. In diesem Szenario gehen wir davon aus, dass diese 45 Terawattstunden Gas zu weiten Teilen für Österreich zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus kann in den kommenden sechs Monaten auf etwa 4 Terawattstunden Gas aus österreichischer Eigenproduktion zurückgegriffen werden. Dazu kommen rund 33 Terawattstunden an Importen zwischen Oktober 2022 und März 2023. In dieser Berechnung, dem so genannten „Basis-Szenario“, wird davon ausgegangen, dass Gasimporte aus Russland geringer sind als üblich, aber nicht komplett ausfallen. Hinzu kommen Importe aus Norwegen und ins Netz eingespeistes Flüssigerdgas, so genanntes LNG. Mit dem „regulären“ Gas im Speicher, der Eigenproduktion und dem Import kann also ein Verbrauch von rund 62 Terawattstunden gedeckt werden.

Kommen wir damit durch den Winter?

Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre hat Österreich im Winterhalbjahr rund 63 Terawattstunden Gas verbraucht. Damit es in diesem Szenario zu keiner Gasversorgungslücke kommt, müsste 1 Terawattstunde aus der strategischen Gasreserve freigegeben werden – die sich damit auf 19 Terawattstunden verringert.

Was aber, wenn der Winter besonders kalt wird?

Ein besonders kalter Winter kann den Gasverbrauch um bis zu 11 Prozent erhöhen. Er beträgt damit nicht mehr 63 Terawattstunden, sondern 70 Terawattstunden. Damit es in diesem Szenario zu keiner Gasversorgungslücke kommt, müssten weitere 7 Terawattstunden aus der strategischen Gasreserve freigegeben werden – die damit auf 12 Terawattstunden sinkt.

Und was ist, wenn gar kein russisches Gas mehr nach Österreich kommt?

Im „Basis-Szenario“ sind von den 33 Terawattstunden an Gasimporten noch rund 10 Terawattstunden Gas aus Russland enthalten. Rechnet man diese heraus, ist die Versorgungssituation angespannter. In diesem Szenario ohne russisches Gas würde die strategische Gasreserve am Ende der Heizsaison auf nur noch 2 Terawattstunden geschrumpft sein. Ob der Winter tatsächlich so kalt wird, ist ein Unsicherheitsfaktor. Es gibt auch weitere Faktoren dieser Art, die dem Prognosemodell Grenzen setzen. Deshalb muss es laufend angepasst werden.

Diese Prognosen zeigen uns aber zwei Dinge:

  1.  Durch die strategische Gasreserve der Republik ist die Gasversorgung in diesem Winter gewährleistet.
  2.  Wir müssen trotzdem Energie sparen, um gut durch die Energiekrise zu kommen und unabhängig von russischem Gas zu werden, um Kosten zu senken und langfristig auch, um die Klimaziele zu erreichen.

Eine Information des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie.

Wem gehört das Gas in unseren Speichern?

Eigentumsverhältnisse in den Gasspeichern

Quelle: E-Control

Die Übersicht in Tortendiagrammform zeigt die Eigentumsverhältnisse in den österreichischen Gasspeichern. 
A) zeigt die Strategische Gasreserve. Die strategische Gasreserve ist ein staatlich kontrollierter Erdgas-Vorrat der Bundesregierung, um die Energieversorgung in Österreich sicher zu stellen. Gesamt umfasst sie 20 TWh. 19,46 TWh davon sind bereits in den österreichischen Speichern, die 0,54 TWh liegen in einem slowakischen Speicher, der direkt an Österreich angebunden ist.

Der Tortenteil B) zeigt die „immunisierten Mengen“, die derzeit 4,05 TWh ausmachen. Darunter werden jene Gasmengen verstanden, die Unternehmen gemäß Energielenkungsgesetz §26a selbst eingespeichert und auf die sie auch im Falle einer Energielenkung Zugriff haben. 

Neben der strategischen Gasreserve und den immunisierten Mengen liegen weitere Gasmengen in den Speichern, die für geschützte Kund:innen in Österreich vorgesehen sind. Derzeit sind das 4,64 TWh (C). Geschützte Kund:innen sind z.B. Haushalte und soziale Dienste wie Krankenhäuser, die immer mit Energie versorgt werden.  

Das Tortenteil D) zeigt weitere sonstige Mengen, die österreichische Speicherkund:innen in den Speichern eingelagert haben. Diese Mengen sind laut Einschätzung der E-Control mit höherer Wahrscheinlichkeit für den österreichischen Markt vorgesehen, können aber auch an nicht-österreichische Kund:innen verkauft werden. 

Die beiden grün eingefärbten Anteile E) und F) stellen jene Mengen dar, die Speicherkund:innen aus dem Ausland in unseren Speichern liegen haben. Nur 0,44 TWh ist dabei für konkrete Endkund:innen aus anderen Länder bestimmt. 24,46 TWh an Gas haben Unternehmen aus anderen Ländern bei uns gespeichert. Bei diesen Unternehmen handelt es teilweise um internationale Gashändler, die nicht vorab festlegen, in welchem Land sie das eingelagerte Gas verkaufen.

Stand: 14.03.2023

Wie viel Gas verbraucht wer in Österreich?

Die Infografik zeigt den vorläufigen energetischen Endverbrauch von Gas im Jahr 2021.
Gasverbrauch 2021 in Prozent, 100% entspricht rund 58 Terawattstunden (TWh), Quelle: Energiebilanz 2021 der Statistik Austria

Energetischer Gasendverbrauch 2021

2021 waren in etwa 55 Prozent des Gasverbrauchs auf den produzierenden Bereich zurückzuführen. In der energieintensiven Produktion, etwa der von Stahl, Glas oder auch Kunstdünger, ist Gas derzeit mehr oder weniger alternativlos. Der fossile Brennstoff wird in diesem und im nächsten Jahrzehnt jedoch durch alternative Technologien, grünen Wasserstoff oder Biomethan ersetzt. 

Weitere 33 Prozent des Gasverbrauchs sind auf private Haushalte zurückzuführen, die Gas u.a. zum Heizen und Kochen verwenden. Diese Mengen können gut durch elektrischen Strom oder Biomasse ersetzt werden. Drittgrößter Verbraucher von Gas war der Sektor Dienstleistungen (8 %). Der Verkehrsbereich benötigte im Vorjahr 4 % des Gases (primär für den Transport von Gas in Pipelines) und die verbleibenden 1% entfielen auf die Landwirtschaft. 

Österreich hat zwischen 2017 und 2021 im jährlichen Durchschnitt 95 TWh Gas verbraucht, was im Gegensatz zum Endverbrauch auch den Verbrauch in Kraftwerken, den nichtenergetischen Verbrauch und die Erzeugung von Fernwärme umfasst. Mit 63 TWh ist ein Großteil davon auf die jeweiligen Heizperioden (Oktober bis inklusive März) zurückzuführen. 

Was ist der Notfallplan Gas?

Der Notfallplan Gas wurde vom Klimaschutzministerium erlassen. Er soll gemäß einer EU-Verordnung (Gas SOS-Verordnung) eine sichere Gasversorgung für Österreich gewährleisten. Der Notfallplan Gas sieht drei Krisenstufen (Frühwarnstufe, Alarmstufe und Notfallstufe) vor.

Aktuell befindet sich Österreich in der Frühwarnstufe. Die Ausrufung einer Krisenstufe führt zu keiner automatischen Anordnung von Energielenkungsmaßnahmen nach EnLG 2012, diese werden situationsabhängig vom BMK per Erdgas-Lenkungsmaßnahmen-Verordnung getroffen. Weniger eingriffsintensive Maßnahmen wie z.B. verpflichtende Sparanordnungen, eine Anordnung zur Ausweitung der Erdgasförderung in Österreich oder Verpflichtungen im Zusammenhang mit Erdgassubstitution von Großabnehmern sind bereits in der Frühwarn- und Alarmstufe möglich, auf eingriffsintensivere Maßnahmen wird erst in der Notfallstufe zurückgegriffen.

Frühwarnstufe (1. Krisenstufe)

Seit 30. März 2022 gilt in Österreich die erste Stufe des Notfallplans Gas. Sie wird ausgerufen, wenn es konkrete und zuverlässige Hinweise gibt, dass es zu einer Verschlechterung der Gasversorgung kommen könnte.

In der Frühwarnstufe erfolgt vor allem eine engmaschigere Überwachung des Gasmarktes und Analyse der Situation sowie Informationen und Kommunikation an die und mit den relevanten nationalen und europäischen Stellen. Wenig eingriffsintensive Maßnahmen gemäß EnLG 2012, wie z.B. verpflichtende Sparanordnungen oder die Verpflichtung zur Vorbereitung der Großabnehmer bzw. KWK- und Fernwärmeanlagen-Betreiber für eine mögliche Energieträgersubstitution, sind möglich, aber nicht zwingend notwendig.

Die von der Bundesregierung bisher gesetzten Maßnahmen zielen darauf ab, die Energieversorgung Österreichs auch für den Fall einer Lieferunterbrechung von Gas abzusichern und die Resilienz der Volkswirtschaft zu erhöhen. Im Idealfall führen sie dazu, dass weitere Maßnahmen vermieden werden können.

Zu den vorbereitenden Maßnahmen zählen u. a. 

  • die Befüllung der österreichischen Speicher als „Sicherheitspolster“
  • die erstmalige Beschaffung einer strategischen Gasreserve 
  • die Möglichkeit der Selbsteinspeicherung für die Industrie
  • die „Immunisierung“ der eingespeicherten Erdgasmengen im Falle der Energielenkung
  • Optionen für Ausgleichsenergiebereitstellung durch das Instrument „Market Maker“
  • die Einführung des "Use it or lose it"-Prinzips bei der Speicherbewirtschaftung
  • die Anschlussverpflichtung für Speicher in Österreich

Alarmstufe (2. Krisenstufe)

Die Alarmstufe wird ausgerufen, wenn sich die Wahrscheinlichkeit für eine Verschlechterung der Gasversorgungslage z.B. durch die konkrete Ankündigung von offiziellen, zuständigen Quellen für Liefereinschränkungen oder Lieferstopp erhöht.

Der aktuelle Gasbedarf von Industrie wird abgefragt. Durch engere Abstimmung mit den Speicherbetreibern sollen Engpässe vermieden werden. Anfragen bei Großabnehmern, die gleichzeitig Erzeuger mit KWK-Anlagen oder Fernwärmeunternehmen sind, ob der Einsatz von Erdgas durch Ersatzbrennstoffe substituiert werden kann. Weniger eingriffsintensive Maßnahmen gemäß EnLG 2012, wie z.B. weitergehende verpflichtende Sparanordnungen oder eine Anordnung zur Ausweitung der Erdgasförderung in Österreich, Verpflichtungen im Zusammenhang mit Erdgassubstitution von Großabnehmern bzw. KWK- und Fernwärmeanlagen, sind möglich, aber nicht zwingend notwendig.
 

Notfallstufe (3. Krisenstufe)

Die Ausrufung der Notfallstufe kann erfolgen, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit Einschränkungen in den Gaslieferungen zu erwarten sind und die aktuelle Nachfrage durch marktkonforme Maßnahmen nicht mehr gedeckt werden kann.

Priorität hat in diesem Fall die Versorgung geschützter Kund:innen, also der Haushalte und grundlegender sozialer Dienste.

Für alle weiteren Gasverbraucher:innen können jedoch weitergehende Energielenkungsmaßnahmen, wie beispielsweise Verbrauchseinschränkungen oder Verfügungen über Erdgasmengen, verordnet werden.  Ziel ist immer, dass die Gasversorgung von geschützten Kund:innen wie Haushalten und grundlegenden sozialen Diensten bzw. von systemrelevanten Bereichen gewährleistet bleibt und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden. 

Der aktuelle Notfallplan Gas wurde vom Klimaschutzministerium in Kooperation mit E-Control und dem Markt- und Verteilergebietsmanager erstellt. Er bildet die Aufgaben und Zuständigkeiten der Marktteilnehmer und Behörden und deren nationale und internationale Zusammenarbeit im Krisenfall ab. Der vollständige Notfallplan Gas kann als PDF heruntergeladen werden.