Welche Bedeutung hat die Gasspeicher-Befüllung?
Gasspeicher erlauben Gashändlern ein Mehr an Flexibilität, eine saisonal ausgeglichenere Nutzung von Import-Kapazitäten und sie spielen auch vor dem Hintergrund der Versorgungssicherheit und Preisstabilität eine Rolle. Das Gas in den Speichern schafft zudem Resilienz für allfällige unvorhergesehene Ereignisse, wie etwa Infrastrukturgebrechen.
Österreich hat frühzeitig vorgesorgt, um die Gasversorgung auch in Krisenzeiten abzusichern. Dazu zählen die strategische Gasreserve, verpflichtende Gasvorräte für Kraftwerke sowie besonders geschützte Reserven von Industriebetrieben. Die strategische Gasreserve wurde zuletzt bis April 2029 verlängert und bleibt damit ein wichtiger Schutz vor möglichen Versorgungsengpässen und geopolitischen Risiken.
Aktuelle Zahlen zu Österreichs Gasspeichern
Füllstand Gasspeicher (in %)
Gasspeicherstand pro Monat im Vorjahresvergleich (in %)
Speicher für den Winter 2026/27 wieder auffüllen
Österreich ist mit einem Speicherstand von rund 35 Terawattstunden (bzw. 36 Prozent) aus dem Winter gekommen, wobei 20 TWh davon die so genannte strategische Gasreserve der Republik Österreich sind.
Trotz ungünstiger Entwicklungen – der Gaspreis ist infolge des Iran-Kriegs ab März 2026 wieder stark angestiegen, was die Befüllung weniger attraktiv macht – hat sich der Speicherstand in Frühling und Sommer wieder deutlich erhöht und liegt aktuell (Stichtag 23. August 2026) bei 65,4 TWh bzw. einem Füllstand von 65 Prozent.
Der Füllstand ist damit besser als der europäische Durchschnitt, der bei 62 Prozent liegt – und das, obwohl Österreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern über besonders große Speicherkapazitäten verfügt.
Gesetzliche Vorgaben für Gasspeicherung
Die Gas-Versorgungsunternehmen sind weiterhin in der Verantwortung, für die Versorgung ihrer Kunden entsprechend vorzusorgen und einzuspeichern. Seitens Bundesregierung wurden zahlreiche Schritte gesetzt, um die Gasversorgung sicherer zu gestalten. Einerseits wurde erstmalig eine strategische Gasreserve aufgebaut und andererseits wurden auch neue Gasspeicherverpflichtungen, u.a. für Gas-Kraftwerksbetreiber, gesetzlich implementiert.
Gleichzeitig wurden auch Schritte gesetzt, um die Diversifizierung der Gasversorgung zu unterstützen, bspw. durch die teilweise öffentliche Finanzierung des Ausbaus der West-Austria-Gasleitung. Gasspeicher sind nach wie vor essentiell für die Gasversorgungssicherheit, allerdings hat die Bedeutung abgenommen. Österreichs Gasversorgung ist heute deutlich diverser aufgestellt, als noch vor einigen Jahren - es gibt mehr Routen und auch mehr Bezugsquellen.
Neben mehreren Versorgungsrouten und der Befüllung der Gasspeicher gibt es darüber hinaus drei wichtige Punkte, um die Gasversorgung stabil und sicher zu halten:
- Gas sparsam einsetzen oder – sofern möglich – durch Alternativen ersetzen. Besonders im Industriebereich gibt es dafür große Hebel. Dazu gehört auch der beschleunigte Ausbau von erneuerbarer Wärmeerzeugung ohne fossile Energie, wie etwa mit Hilfe von Geothermie, Wärmepumpen und biogenen Reststoffen sowie direktelektrischen Verfahren.
- Importe für Erdgas weiter diversifizieren und langfristig absichern sowie den Weg für verstärkten Import von klimaneutralem Wasserstoff einleiten.
- Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung, um die Importabhängigkeit insgesamt weiter zu reduzieren. Hier liegt der Fokus auf erneuerbaren Gasen wie Biomethan und grünem Wasserstoff, sowie auf der Stromerzeugung, die Erzeugung aus Gaskraftwerken substituiert bzw. die Basis für die Erzeugung von Wasserstoff und strombasierte Alternativen zu Gas bildet: Windkraft, Wasserkraft und winteroptimierte Photovoltaik sowie Bioenergie. Wichtig dabei: Mit modernisierten Netzkapazitäten und ausreichend Energiespeichern können Flexibilitäten besser genutzt und Gasverbrauch reduziert werden.