Woher kommt unser Öl?
Öl ist mit einem Anteil von 35 Prozent am gesamten Energieverbrauch der bedeutendste Energieträger Österreichs. Der Verbrauch an Öl und Ölprodukten wie Diesel, Benzin, Heizöl oder Kerosin ist nach einem Höhepunkt im Jahr 2005 (168 TWh) aktuell etwa wieder auf dem Niveau der 1990er-Jahre (1990: 123 TWh). Die Aufbringung hat sich seitdem aber grundlegend verändert: Während 1990 noch 11 Prozent des Ölverbrauchs aus eigener Produktion gekommen sind, sind es heute nur mehr rund 5 Prozent. Rückgänge sind einerseits wirtschaftlich bedingt, aber vor allem auf das Versiegen von Quellen zurückzuführen. Vor allem im niederösterreichischen Weinviertel und – in geringerem Maße – im oberösterreichischen Alpenvorland wird noch Öl produziert. Der Rest wird importiert.
Österreichs Ölimporte kommen auf unterschiedliche Arten ins Land: Der Großteil (59 Prozent) wird als Rohöl importiert, gefolgt von Diesel (27 Prozent), Benzin (6 Prozent), Heizöl (4 Prozent) und andere Produkte wie z.B. Kerosin (4 Prozent).
Länder, aus denen Österreich Rohöl importiert
Die Rohölimporte (90 TWh) kommen zum Großteil aus Kasachstan (56 Prozent), Libyen (14 Prozent), Saudi-Arabien (12 Prozent), Aserbaidschan (4 Prozent) sowie anderen Ländern wie Guyana, Irak, Algerien und weitere (14 Prozent), wobei die individuellen Anteile dieser Staaten an den gesamten Rohimporten jeweils unter 4 Prozent liegen.
Lieferwege von Rohöl nach Österreich
Rohöl, das nach Österreich kommt, wird in der Raffinerie Schwechat (1, siehe Abbildung) verarbeitet. Mehr als 90 Prozent der importierten Rohölmengen gelangen über die „Adria-Wien-Pipeline“ dort hin. Die Leitung ist ein Abzweiger der so genannten Transalpine Ölleitung (TAL), die Rohöl vom Hafen Triest (2) in Italien nicht nur nach Österreich, sondern auch nach Süddeutschland, z.B. zu den Raffinerien in Ingolstadt sowie weiter nach Karlsruhe und Tschechien, bringt. Rohöl, das im Hafen Triest per Schiff ankommt, hat unterschiedlichste Herkunftsländer, denn der Handel mit Rohöl ist global. Besonders wichtig für Österreich sind allerdings kasachische Rohölmengen, die ebenfalls in Triest anlanden – 56 Prozent der gesamten österreichischen Rohölimporte kamen 2024 aus Kasachstan. Das Öl wird aus kasachischen Ölfeldern per Pipeline zum russischen Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk (3) gepumpt, wo es auf Öltanker verladen wird. Die Tanker finden den Weg durch den Bosporus in der Türkei durch das Mittelmeer zur Adria nach Triest, von wo aus der Transport via Pipeline weitergeht. Ölprodukte – also Derivate wie zum Beispiel Diesel oder andere Mineralölerzeugnisse – können auch via Zug und Lkw sowie per Donauschifffahrt an seinen Bestimmungsort gebracht werden.
Notreserve bei Öl und Ölprodukten ist gesetzliche Pflicht
Ob in Tanklagern, im Heizöltank oder im Fahrzeug: Öl und Ölprodukte zeichnen sich durch eine gute Lagerfähigkeit aus. Im Sinne der Versorgungssicherheit verfügt Österreich über die in den privaten Heizöl- und Treibstofftanks gelagerten Mengen hinaus auch über staatlich kontrollierte Notstandsreserven an Erdöl und Erdölprodukten. Die ermöglichen die Versorgung über ein Ausmaß von rund 90 Tagen, bemessen an den Nettoimporten des Vorjahres. Das Pflichtlager wird zu fast ausschließlich über die Erdöl-Lagergesellschaft verwaltet, die gesetzlichen Grundlagen bildet das Erdölbevorratungsgesetz 2012. Die Produkte lagern an mehr als 30 Standorten in ganz Österreich, etwa in Lannach (Steiermark), im Ölhafen Lobau (Wien) oder St. Valentin (Niederösterreich).
In Notlagen können Teile der Notstandsreserve vom Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus freigegeben werden. Die Freigabe kann Rohöl und Halbfabrikate zur weiteren Verarbeitung in der Raffinerie Schwechat sowie Fertigprodukte betreffen, je nach Knappheit. Zuletzt erfolgte eine Freigabe mit 1. April 2026 infolge der Beteiligung Österreichs an der Kollektivmaßnahme der Internationalen Energieagentur (IEA) aufgrund der kriegerischen Eskalation im Nahen Osten zur Stabilisierung des globalen Mineralölmarktes. Die Freigabe war keine Konsequenz aus einer Notlage in Österreich, sondern Teil eines international akkordierten Vorgehens.
Verbrauch von Öl sinkt in Zukunft
Auch, wenn Öl sowie ölbasierte Produkte noch länger relevant bleiben: Mittel- und langfristig ist der Ausstieg aus fossiler Energie vorgezeichnet, um Österreichs Emissionen zu reduzieren, die heimische Kaufkraft wie auch Wertschöpfung zu stärken aber auch die energiepolitische Abhängigkeit zu mindern. Im Raumwärmebereich ist insbesondere das thermische Sanieren von Gebäuden und der Umstieg auf nicht-fossile Heizungssysteme, wie beispielsweise Wärmepumpen relevant. Der Bund unterstützt mit Förderprogrammen, Beratung und klaren rechtlichen Rahmenbedingungen.
Mit dem Förderprogramm "Transformation der Industrie" wird die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern unterstützt, um so zur Dekarbonisierung der Wirtschaftsbereiche bis 2040 sowie zur Stärkung des Industrie- und Wirtschaftsstandortes Österreich beizutragen.
Der Verkehrssektor ist der wesentlichste Verbrauchsbereich für Öl. Die Substitution von fossilen Treibstoffen durch nachhaltige Biokraftstoffe ist ein Hebel zur Reduktion des Ölbedarfs in der Bestandsflotte. Wesentlicher ist die Elektrifizierung von Mobilität – von Pkw über Busse und Lkw und andere Nutzfahrzeuge, um importierte Energieträger gegen heimische Alternativen einzutauschen. Der Bund treibt die Elektromobilität vor allem über Förderungen, Infrastruktur-Ausbau, steuerliche Anreize und Vorgaben für eigene Flotten voran.
Der Ausbau erneuerbarer Alternativen – von der Bioenergie über Strom aus Erneuerbaren, Geothermie und Wasserstoff – ist eine wesentliche Grundbedingung für die Reduktion des Ölverbrauchs. Dies wird über eine Reihe von rechtlichen Rahmenbedingungen, Beschleunigungsinitiativen und Förderprogrammen vorangetrieben.