Wie schreitet der Ausbau von Erneuerbaren Energien in Österreich voran?
Österreich deckt derzeit über 40 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen, vor allem durch Wasserkraft und Biomasse. Im Verkehrsbereich sowie bei der Erzeugung von Wärme (Heizung, Warmwasser, Industrie) ist der Bedarf an fossilen Energien hoch, weshalb insgesamt fast 60 Prozent des Energiebedarfs noch nicht erneuerbar sind.
Um den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf mindestens 57 Prozent zu heben, wird vor allem der Ausbau von Photovoltaik und Wind für die Erzeugung von Strom stark angekurbelt. Zusätzlich gilt es, den Verkehrs- und Wärmesektor auf Erneuerbaren-Kurs zu bringen, unter anderem mit klimafreundlichen und energieeffizienten Technologien wie zum Beispiel Wärmepumpen oder E-Fahrzeugen. Auch erneuerbare Gase wie Biomethan und Wasserstoff sind notwendig, um Erneuerbaren-Anteile zu steigern.
Das Energiesystem Österreichs ist mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Im Jahr 2024 wurden 43 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen, hauptsächlich Wasserkraft und Biomasse, gewonnen. Österreich liegt damit im Spitzenfeld der Europäischen Union (Platz 5), was den Anteil erneuerbarer Energien betrifft. Der Rest, also 57 Prozent der Energieversorgung, stützt sich nach wie vor auf fossile Energieträger wie Kohle, Erdgas und Öl, die überwiegend importiert werden müssen.
Um den europäischen Green Deal voranzubringen und die damit verbundenen Ziele als Mitgliedsstaat zu erreichen, muss Österreich den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf mindestens 57 Prozent steigern. Da sich Österreich zum Ziel gesetzt hat, bis 2040 klimaneutral zu sein, muss auch der Energieverbrauch bis dahin soweit möglich – also nahezu 100 Prozent - auf Erneuerbare umgestellt werden. Um bis 2040 klimaneutral werden zu können, sollte der Anteil bis dahin nahezu 100 Prozent erreichen. Diese ambitionierten Ziele erfordern eine drastische Reduktion des Einsatzes fossiler Energieträger.
Im Verkehrssektor wird heute hauptsächlich Öl (bzw. Benzin, Diesel und Kerosin) für Fahrzeugantriebe genutzt, während in der Stahlerzeugung noch immer Kohle eine zentrale Rolle spielt. Gas dient als vielseitiger fossiler Energieträger, der sowohl in der Industrie als auch für Fernwärme und Heizungen in Österreich noch weit verbreitet ist.
Gebäude und Verkehr auf Klimakurs bringen
Ein Blick auf den gesamten Energieverbrauch (Bruttoinlandsverbrauch) in Österreich im Jahr 2023 verdeutlicht: Die Bereiche "Wärme & Kälte" sowie "Verkehr" stehen im Fokus der zukünftigen Transformationsbemühungen. Der Anteil erneuerbarer Energien in diesen Sektoren beträgt lediglich 39 Prozent bzw. 13 Prozent. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen besonders diese Sektoren ins Visier genommen werden. Hier kommen intelligente Technologien ins Spiel, die nicht nur mit erneuerbaren Energien arbeiten, sondern auch die Energieeffizienz steigern, und damit den Gesamtverbrauch senken. Der Anteil, der bisher durch Fossile abgedeckt wird, muss somit künftig nicht gänzlich durch Erneuerbare abgedeckt werden.
Mehr Energieeffizienz mit klimafreundlichen Technologien
Um den Gebäudebestand Österreichs zu sanieren und fossile Heizsysteme durch klimafreundliche Alternativen zu tauschen, gewinnen neben der Fernwärme vor allem Wärmepumpen und Biomasseheizungen an Bedeutung. Zudem liefert auch die Solarthermie Wärme aus der Energie der Sonne für Haushalte und Betriebe. Diese Technologien nutzen erneuerbare Ressourcen und bieten gleichzeitig eine hohe Energieeffizienz. Der Marktbericht zu den Technologien zeigt, dass der Markt für Wärmepumpen seit 20 Jahren kontinuierlich wächst. Im Jahr 2024 wurden mehr als 55.000 Wärmepumpen verkauft und mehr als 31.000 Biomasseheizungen installiert. In der Industrie spielen künftig vor allem Strom, Wasserstoff oder Biomethan, insbesondere zur Erzeugung hoher Prozesstemperaturen, eine wichtiger werdende Rolle.
Strom für Energiewende zentral
Viele Technologien sind zum Großteil strombasiert, wie etwa Wärmepumpen und Elektroautos. Sie können Energie wesentlich effizienter in Wärme oder Mobilität umwandeln. Das wird mittelfristig zwar zu einem deutlichen Anstieg des Stromverbrauchs führen, der Gesamtenergieverbrauch für diese Anwendungen wird jedoch sinken. Der Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion ist daher von zentraler Bedeutung: Im Jahr 2024 wurden laut E-Control 95 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen gedeckt, vor allem dank Wasserkraft und des Ausbaus von Photovoltaik und Windkraft.
Im Jahr 2024 ist die installierte PV-Leistung nach den Rekordjahren 2022 und 2023 nochmals um 36 Prozent gewachsen, die Batteriespeicherkapazität wurde um mehr als 70 Prozent gesteigert. Und auch aus Wind lässt sich mit einem Wachstum von 4 Prozent an der installierten Leistung mehr Strom gewinnen.
Höhere Energiepreise, Unsicherheiten bei der Versorgung mit fossilen Energieträgern und immer bessere technische Lösungen führten dazu, dass sich seit 2022 mehr Haushalte denn je für eine Wärmepumpe entschieden haben. Der Markt ist zwar 2024 gegenüber dem Allzeit-Hoch von 2022 zurückgegangen, liegt aber noch immer 44 Prozent über den verkauften Einheiten des Jahres 2021.
45.872 neue Heizungswärmepumpen, 9.094 neue Brauchwasserwärmepumpen, 237 Wärmepumpen zum Einsatz in der Wohnraumlüftung sowie 164 zusätzlichen Industriewärmepumpen wurden 2024 verkauft. Der Wirtschaftsbereich Wärmepumpe erzielte im Jahr 2024 einen Gesamtumsatz von 1,480 Mio. Euro und bewirkte einen Beschäftigungseffekt von 2.552 Vollzeitarbeitsplätzen. Weiters konnten im Jahr 2024 durch den Einsatz von Wärmepumpen netto 1,257 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente vermieden werden.
Biomasseheizungen nach wie vor stark nachgefragt
Die Gaskrise sorgte 2022 für ein noch nie dagewesenes Interesse an Biomassekessel. Infolgedessen legte der Verkauf von Biomasseheizungen von knapp 18.700 im Jahr 2021 um 66 Prozent auf 31.000 in 2022 zu. Nach einem Rückgang im Jahr 2023 wurden 2024 wieder mehr als 31.000 Biomasseheizungen installiert, sogar etwas mehr als im bisherigen Rekordjahr 2022.
Biomasse ist eine der tragenden Säulen der erneuerbaren Energie. Mit festen biogenen Brennstoffen konnten 2024 rund 8,4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden.
Nach den bisherigen Rekordabsatzzahlen im Jahr 2022 ging der Biomassekesselmarkt 2023 - mit Ausnahme von Hackgut- und Stückholzkesseln, die relativ stabil geblieben sind - wieder annähernd auf das Niveau von 2021 zurück. 2024 aber lieferte die Branche das „Comeback“ mit einem neuen Rekordabsatz von gesamt 31.167 Stück – davon fast 21.000 Pelletskessel und mehr als 10.000 Hackgut-, Stückholz- oder Kombikessel.
Neben der klassischen Nutzung von Bioenergie zur Raumwärmebereitstellung steht zunehmend die Rolle der Bioenergie als Teil eines Gesamtsystems in Kombination mit anderen Erneuerbaren im Fokus. Hier können Biomassebrennstoffe vor allem als wetterunabhängige Energielieferanten und auch als Energiespeicher punkten.
Nicht nur in den eigenen vier Wänden greifen die Österreicherinnen und Österreicher häufiger zu erneuerbaren Energien. Auch das Dach trägt von Jahr zu Jahr mehr zur Energiewende bei: Nach einer fortlaufenden Steigerung der neu installierten Leistung wurde 2022 erstmals ein Zubau von mehr als 1 GW an Photovoltaik-Spitzenleistung geschafft (entspricht 1.000 MW).
2023 und 2024 wurde diese Marke noch deutlich übertroffen, denn gesamt 2,6 bzw. 2,5 GW an PV-Leistung wurden in diesen Jahren zugebaut. Die meisten Lösungen waren klassische Aufdach-Anlagen. Freistehende Anlagen sowie Fassaden- und dachintegrierte Anlagen spielen noch eine untergeordnete Rolle, werden in Zukunft aber relevanter.
Wieder steiler Anstieg bei installierten PV-Batteriespeichern
Den mit Photovoltaik-Anlagen selbst produzierten Strom wollen Österreichs Haushalte und Unternehmen auch vermehrt selbst verbrauchen und greifen daher zu Batteriespeichern. 2024 hat sich die gesamt installierte Speicherkapazität gegenüber 2023 wieder um mehr als 70 Prozent erhöht.
Nach einem kontinuierlichen Anstieg der neu installierten Speicherkapazität von 2014 bis 2019 stieg in den Folgejahren die jährlich neu installierte Speicherkapazität im Vergleich zum Vorjahr jeweils deutlich an und erreichte 2023 mit einem Zuwachs von 792 MWh einen Höchstwert. Für das Jahr 2024 konnte dieser Spitzenwert mit einem Plus von 928 MWh abermals überboten werden. 2024 ergab die Erhebung mehr als 70.000 neu installierte PV-Speichersysteme, die kumulierte nutzbare Speicherkapazität beträgt damit mehr als 2.200 MWh.
2024 brachte 36 neue Windräder
Die Windkraft ist ein wichtiger Partner der Photovoltaik, denn im Gegensatz zum Sonnenstrom ist die Windenergie besonders in der kälteren Jahreshälfte erzeugungsstark. Im Jahr 2024 konnte die Erzeugungsleistung brutto um 160 MW gesteigert werden, was deutlich unter dem Niveau der letzten 3 Jahre liegt. 11 Windräder mit 20 MW wurden abgebaut, was einen Netto-Zubau von 140 MW und eine Steigerung der installierten Leistung von 4 Prozent ergibt.
Von den insgesamt 36 Anlagen entfielen 26 Anlagen mit 117,9 MW auf Niederösterreich und 6 Anlagen mit 28 MW auf das Burgenland. 4 Windräder mit 13,8 MW wurden in der Steiermark errichtet.
Ende des Jahres 2024 waren damit 1.451 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 4.028 MW am Netz. Diese Leistung ermöglichte eine Stromproduktion von 9,3 TWh. Verglichen mit der Stromproduktion 2023 erhöhte sich die Stromerzeugung aus Windkraft 2024 um 1,1 TWh.
Der gesamte Marktbericht ist auf der Webseite Nachhaltig Wirtschaften zu finden.