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Rückblick Heizperiode 2023/24

Abermals rückläufiger Gasverbrauch schont Speicherreserven für nächste Monate

Österreich geht aus der letzten Heizperiode mit einer guten Bilanz heraus. Der Gasverbrauch konnte wesentlich gesenkt werden, weshalb wenig Gas aus den heimischen Speichern entnommen werden musste. Das ist eine gute Voraussetzung für die nächsten Monate, in denen Russland weiterhin ein Unsicherheitsfaktor für die heimische Energieversorgung bleiben wird.  

Mehr als zwei Drittel des Jahresverbrauchs an Gas wird in Österreich in den sechs Monaten der Heizperiode zwischen Oktober und März benötigt. Im restlichen Jahr wird Gas in erster Linie in der Industrie verbraucht. Die Gasversorgung für den jeweils nächsten Winter zu sichern war eine wichtige Devise der letzten Jahre. Dabei ist die Reduktion des Gasverbrauchs ein wesentlicher Faktor.

Gasverbrauchsrückgang geprägt durch verstärkten Einsatz von erneuerbarer Energie in der Stromproduktion

Insgesamt war der Gasverbrauch im Jahr 2023 um 18,2 Terawattstunden (TWh) und damit um 19,35 Prozent geringer als im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2017-2021. Davon sind 2,7 TWh auf die überdurchschnittlich warmen Temperaturen zurückzuführen. Weitere rund 5 TWh an Minderverbrauch gehen auf einen geringeren Gasverbrauch des Stromsektors zurück. Ein signifikanter Teil der Einsparungen in der Stromerzeugung ist auf den zusätzlichen Ausbau von Anlagen zur Stromerzeugung auf Basis von Erneuerbaren zurückzuführen.

10,5 TWh wurden effektiv durch einen geringeren Gasverbrauch in Haushalten, Gewerbe und der Industrie eingespart. Neben dem konjunkturell bedingten Rückgang industrieller Aktivität im Jahr 2023 spielte hierbei vor allem die erhöhte Energieeffizienz sowie der Ausstieg aus der Nutzung von Gas zur Erzeugung von Wärme (etwa durch den Umstieg auf ein klimafreundliches Heizsystem) eine Rolle.

Rückgang des Gasverbrauchs 2023 im Vergleich zum Durchschnitt 2017-2021 (in TWh)

Rückgang des Gasverbrauchs 2023 im Vergleich zum Durchschnitt 2017-2021 (in TWh).
Rückgang des Gasverbrauchs 2023 im Vergleich zum Durchschnitt 2017-2021 (in TWh). Quelle: Österreichische Energieagentur.

Im Zeitraum zwischen Oktober 2023 und März 2024 – also der abgelaufenen Heizperiode – wurden insgesamt sogar 15 TWh weniger Gas verbraucht als im Durchschnitt der Heizperioden zwischen 2017 und 2021, was an den starken Einsparungen im Jänner und Februar 2024 liegt. Auch in diesem Zeitraum sind rund 5 TWh Minderverbrauch dem Stromsektor zuzurechnen.

Über die gesamte Heizperiode 2023/24 betrachtet waren rund 40 Prozent des Verbrauchrückgangs direkt den hohen Temperaturen zurechenbar, das sind etwa 6 TWh. Neben weniger Heizbedarf durch höhere Temperaturen fällt auch der Rückgang des Einsatzes von Gas für die Stromerzeugung stark ins Gewicht: Im Winterhalbjahr 2023/2024 wurde um 29,5 Prozent weniger Gas in Kraftwerken eingesetzt als 2022/2023, und um 40,5 Prozent weniger als im Durchschnitt 2017-2021.

Gasverbrauch in der Heizperiode 2023/2024 im Vergleich zum Durchschnitt 2017-2021 (in TWh)

Gasverbrauch in der Heizperiode 2023/2024 im Vergleich zum Durchschnitt 2017-2021 (in TWh).
Gasverbrauch in der Heizperiode 2023/2024 im Vergleich zum Durchschnitt 2017-2021 (in TWh). Quelle: Österreichische Energieagentur.

 Der Gasverbrauch der Heizperiode 2023/2024 lag im Durchschnitt um 19,6 Prozent unter den letzten fünf Heizperioden, mit einer Bandbreite von minus 13 Prozent (Jänner 2024) bis minus 32 Prozent (Februar 2024).

Entwicklung Gasverbrauch März 2023 - März 2024 gegenüber dem Durchschnitt 2018 bis 2022 (in %)

Entwicklung Gasverbrauch März 2023 - März 2024 gegenüber dem Durchschnitt 2018 bis 2022 in Prozent.
Entwicklung Gasverbrauch März 2023 - März 2024 gegenüber dem Durchschnitt 2018 bis 2022 in Prozent. Quelle: Österreichische Energieagentur auf Basis von AGGM

Bewussterer Umgang mit Energie und Tausch von Gasheizungen

Vergleichsweise hohe Temperaturen waren ein relevanter Faktor dafür, dass in der abgelaufenen Heizperiode weniger Gas verbraucht wurde. Gegenüber der langjährigen Durchschnittstemperatur in Österreich war es zwischen Oktober 2023 und März 2024 um 4,3 Grad wärmer, wie das Klimamonitoring der GeoSphere Austria (vormals ZAMG) zeigt.

Doch der geringere Gasverbrauch war nicht nur auf die hohen Temperaturen zurückzuführen, wie die Analyse der Österreichischen Energieagentur zeigt. Bei der Analyse wurde zu jeder Stunde auf Basis der Außentemperatur ein erwarteter Gasverbrauch geschätzt. Diesem Wert wurde der tatsächlich gemessene Gasverbrauch gegenübergestellt. Die Differenz daraus ergibt jene Einsparungen, die nicht durch warme Witterung, sondern durch andere Faktoren erklärbar sind. Darunter fällt etwa, dass Menschen weniger heizen, Gasheizungen tauschen oder die Industrie auf andere Energieträger wechselt und ihre Produktion reduzieren sowie weniger Gas für die Stromerzeugung einsetzen.

Für kommenden Winter bleibt mehr Gas

Der geringe Verbrauch von Gas hat sich positiv auf die Versorgungssicherheit ausgewirkt und dafür gesorgt, dass weiterhin hohe Mengen in unseren Speichern zur Verfügung stehen. Mehr als ein österreichischer Jahresverbrauch an Gas kann in ihnen gespeichert werden. Ein hoher Speicherstand gibt Sicherheit und macht die Versorgung unabhängiger von Lieferausfällen, wie zuletzt im Sommer 2022, als Russland weniger Gas nach Österreich geliefert hat als vereinbart. Österreichs Gasspeicher waren zu Beginn der Heizperiode am 1. Oktober 2023 zu 95 Prozent gefüllt. 93 TWh Gas lagen in den Speichern, wobei 20 TWh davon direkt im Eigentum der Republik Österreich stehen – die so genannte strategische Gasreserve. Mit 1. April 2024 – dem Ende der Heizperiode – beträgt der Speicherstand noch immer 74 Prozent bzw. 72,4 TWh.

Abhängigkeit von Russland weiterhin Gefahr für heimische Energieversorgung

Bereits das zweite Jahr in Folge ist der Gasverbrauch in Österreich gesunken. Gasheizungen wurden stillgelegt und gegen klimafreundliche System ausgetauscht, industrielle Prozesse wurden von Gas auf Strom oder erneuerbare Energieträger umgestellt. Die Stromerzeugung mittels Gas ist auf einem so niedrigen Niveau wie schon sehr lange nicht mehr. Vor allem durch die starke Stromerzeugung mit Erneuerbaren ist Österreich – erstmals seit rund 20 Jahren – 2023 wieder zu einem Stromexportland geworden.

Der niedrige Gasverbrauch war wesentlich, um mit hohen Speicherständen aus dem Winter zu kommen. Dadurch können die Reservoire im Laufe des Sommers leichter wieder befüllt werden. Nur 25 TWh müssen eingespeichert werden, um von den 74 Prozent (1. April) bis Anfang November auf 100 Prozent Speicherfüllstand zu kommen.

Das Auffüllen der Speicher bleibt wichtig, denn Russland hat den Angriffskrieg auf die Ukraine noch immer nicht beendet. Damit bleibt auch das Risiko eines Totalausfalls der über ukrainisches Staatsgebiet laufenden Pipeline jederzeit aufrecht. Zudem läuft mit Ende 2024 der Vertrag über den Transit von russischem Gas durch die Ukraine aus. Das Klimaschutzministerium nimmt diese Situation ernst und analysiert laufend die Versorgungslage. Außerdem hat das Klimaschutzministerium eine Diversifizierungspflicht für Akteure am Gasmarkt vorgeschlagen, die einen proaktiven und damit sicheren Weg zum Ausstieg aus russischem Gas ermöglichen soll.

Die Importmöglichkeiten für nicht-russisches Erdgas haben sich seit Kriegsbeginn in der EU stark verbessert: Neue Verträge wurden geschlossen, neue Importkapazitäten (vor allem für die Nutzung von LNG) aufgebaut. Das Gefahrenpotenzial, das ein Lieferstopp mit sich bringen würde, ist heute geringer als vor dem 24. Februar 2022, denn das europäische Gassystem ist in den vielen Monaten seit Kriegsbeginn resilienter geworden. Um die österreichische Gasversorgung für das laufende Jahr und auch danach so stabil und sicher wie möglich zu halten, bleiben aber drei Säulen wichtig:

 

  • Importe für Erdgas weiter diversifizieren und mittelfristig den Weg für Import von grünem Wasserstoff einleiten
     
  • Gas sparsam einsetzen oder durch klimafreundliche Alternativen ersetzen. Die Förderungen dafür sind so hoch wie nie zuvor. Alternativen wie Geothermie, Wärmepumpen oder Heizungen auf Basis von biogenen Reststoffen sind verfügbar und im Gegensatz zu Erdgas nachhaltige Lösungen.
     
  • Rascher Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung im Inland, um die Importabhängigkeit insgesamt weiter zu reduzieren. Hier liegt der Fokus auf erneuerbaren Gasen wie Biomethan und grünem Wasserstoff, sowie auf der Stromerzeugung, die Erzeugung aus Gaskraftwerken substituiert bzw. die Basis für die Erzeugung von Wasserstoff und strombasierte Alternativen zu Gas bildet.